Das AKW Zwentendorf heute

Ein Lehrstück der österreichischen Politik und Zeitgeschichte. Als weltweit einziges Kernkraftwerk wurde Zwentendorf fertig gebaut - und aufgrund der Volksabstimmung am 5. November 1978 niemals in Betrieb genommen.

Mit dem negativen Ausgang der Volksabstimmung waren rund 650 Millionen Euro verloren, bis zu seiner Liquidierung 1985 kostete das sicherste AKW der Welt über eine Milliarde Euro. Viele Millionen waren allein für die Instandhaltung nötig gewesen. Und ja, hier wurde keine einzige Kilowattstunde erzeugt und in das österreichischen Stromnetz eingespeist.

Zwentendorf steht wie kein anderer Ort in Österreich für permanentes Scheitern. Man wollte die Anlage zu einem Gaskraftwerk umrüsten. Hundertwasser hat ein Museum der fehlgeleiteten Techniken geplant. Udo Proksch wollte hier den Verein der Senkrecht-Bestatteten ansiedeln. Hollywood hatte Ideen für Katastrophenfilme. Aber aus allen diesen Überlegungen wurde nichts.

Im Laufe der Jahre hat man schießlich Ersatzteile aus dem AKW an ähnlich gebaute Reaktoren verkauft. Heute liefert eine Photovoltaik-Anlage umweltfreundliche Energie. Und die Betreiber von Atomkraftwerken in aller Welt schicken ihre Mitarbeiter zur Schulung.

Seit 2005 gehört die Anlage zur EVN. Das Kraftwerk selbst gilt inzwischen als attraktive Location für Konzerte und Events. Es ist ein Ort, der fasziniert und Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes begreifbar macht. Das "Phantomkraftwerk" fesselt die Menschen mit seinen 1.050 Räumen - aber ohne WC - und lockt jedes Jahr tausende Neugierige an.

Anmerkung vom Wirtschaftsarchiv Vorarlberg:

Apropos Vorarlberg: Bei der Volksabstimmung 1978 fiel der Nein-Anteil in Vorarlberg mit 84,4 Prozent am höchsten unter allen Bundesländern aus. Aufsehen erregten neun Vorarlberger Mütter mit ihrem Hungerstreik vor dem Bundeskanzleramt gegen den Probebetrieb des AKW.

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